Zum Buch:
Die Spinne wär gerne so niedlich wie ein Marienkäfer. Der Schmetterling möchte weniger auffällig sein und die Schnecke träumt davon, so weit wie eine Grille springen zu können. Alle wollen etwas anderes sein. Und vergessen dabei, dass sie selbst besonders sind …
Mit ihrem im Februar 2025 erschienenen Bilderbuch „Wär ich doch …“ beweist Mies van Hout einmal mehr, warum sie zu den bedeutendsten Künstlerinnen der zeitgenössischen Kinderliteratur gehört. In ihrem unverkennbaren Stil – leuchtende Ölpastellfarben, die auf dunklem Grund eine fast magische Leuchtkraft entwickeln – widmet sie sich einem zutiefst menschlichen Thema: dem Sehnen nach den Qualitäten der anderen. Das Buch führt uns durch eine Galerie charmanter Wesen, von denen jedes einen sehnsüchtigen Blick auf die vermeintlich besseren Eigenschaften seines Gegenübers wirft. Ob es die Kraft des Bären oder die Leichtigkeit des Vogels ist – van Hout macht den kindlichen Neid greifbar, ohne ihn jemals zu bewerten. Statt einer trockenen Moralpredigt bietet das Buch ein visuelles Crescendo, das am Ende in der feierlichen Erkenntnis der eigenen Einzigartigkeit mündet.
Zum Vorlesen:
Beim Vorlesen empfiehlt es sich, das Buch nicht einfach nur „durchzuackern“, sondern die visuelle Kraft für Dialoge zu nutzen. Durch gezielte Pausen und Fragen wie „Was meinst du, wie fühlt sich das kleine Tier gerade?“ wird die emotionale Intelligenz der Kinder spielerisch gefördert. Pädagogisch besonders wertvoll ist es, die Stimmdynamik der Bildsprache anzupassen: Die schweren, großen Tiere bekommen eine tiefe, langsame Stimme, während die flinken Wesen durch hellere, schnellere Tonlagen charakterisiert werden. So wird der Kontrast zwischen den Identitäten auch auditiv erfahrbar.
Im Anschluss an die Lektüre lässt sich das Thema wunderbar in die kreative Praxis übertragen. Angelehnt an van Houts Technik können Kinder auf schwarzem Papier mit Wachsmalkreiden ihre eigenen „Superkräfte“ visualisieren. Dies stärkt den Übergang von der Sehnsucht („Wär ich doch…“) hin zur Selbstakzeptanz („Ich bin…“). Das Buch fungiert somit nicht nur als Vorlesegeschichte, sondern als philosophischer Türöffner, der Kindern hilft, den Fokus von den Talenten anderer weg und hin zu den eigenen Stärken zu lenken. Es ist ein farbenfrohes Plädoyer für das Selbstbewusstsein, das in keinem gut sortierten Bücherregal fehlen sollte.
Bibliographische Angaben:
Zielgruppe: ab 4 Jahren
Genre: Bilderbuch
Autor: Mies van Hout
Umfang: 32 Seiten
Verlag: aracari
Themen: Tiere, Gefühle, Akzeptanz
Jahr: 2025
Redaktion: David Kräker