Vorlesetipps
Vorlesen muss gelernt sein! Um Ihre kleinen Zuhörer zu fesseln, müssen Sie Ihre Vorleseaktionen gut vor- und nachbereiten als auch organisieren. Dabei sollen Sie unsere Vorlesetipps und das von uns erstellte Vorlesetagebuch unterstützen!
Wenn Sie an weiteren Tricks und Tipps rund ums Vorlesen für Kinder interessiert sind, legen wir Ihnen unsere Workshops ans Herz!
Das Vorlesetagebuch
Mit dem Vorlesetagebuch können Sie nicht nur Ideen für die Umsetzung der Vorlesestunde erarbeiten und dokumentieren, sondern auch Lösungsvorschläge für die Verbesserung der Lesestunde entwickeln.
Hier können Sie eine Vorlage für das Vorlesetagebuch herunterladen (pdf, 60 KB)!
Tragen Sie Ihre Dokumentationsblätter in einer Sammelmappe zusammen und ergänzen Sie diese mit zusätzlichen Materialien wie Rezensionen, Vorlesetipps oder Workshopmaterialien von LeseLust Leipzig e.V., aber auch eigenen von Ihnen erstellten Bücherlisten, Fotos von Ihren Vorlese-Aktionen oder Fremd-Feedback (z.B. Kindergartenleitung) zu Ihren Lesungen, etc.
Das Tagebuch kann außerdem als Grundlage für den Austausch mit anderen Vorlesepaten/-innen dienen, z.B. im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Stammtische von LeseLust Leipzig e.V.
Übrigens: Auf die Dokumentation mit dem Vorlesetagebuch werden Sie auch in unserem Grundlagenworkshop vorbereitet.
Die Vorbereitung
- Haben Sie Spaß am Vorlesen, dann haben es auch die Kinder!
- Bereiten Sie sich gut vor!
> Üben Sie Ihren Text ein. Lesen Sie sich den Text selbst laut vor, machen Sie kleine Markierungen mit Bleistift oder Klebezetteln.
> Muss der Text gekürzt oder vereinfacht werden?
> Überlegen Sie nach sinnvollen Einleitungen.
> Wie soll das Ganze inszeniert werden? Passen Sie Atmosphäre und Beleuchtung des Raums der Stimmung der Geschichte an. Bringen Sie Utensilien aus der Geschichte mit. Singen und basteln Sie passend zur Geschichte.
Der Vortrag
- Vorentlastung: Machen Sie die Kinder neugierig und sehen Sie Verstehensschwierigkeiten voraus!
> Stellen Sie vor dem Vorlesen Vermutungen zum Buch an und ermutigen Sie die Kinder, das auch zu tun. So stimmen Sie sich und die Kinder auf das Buch ein, erregen die Aufmerksamkeit der Kindern und können erfahren, was die Kinder bereits zu dem Thema wissen.
> Versuchen Sie Verstehensschwierigkeiten bei den Zuhörern vorauszusehen. Sie können den Kindern beim Verstehen helfen, in dem Sie ungewöhnliche und schwierige Wörter oder Sachverhalte zuvor erklären.
- Vortrag: Sprechen Sie deutlich und langsam! Setzen Sie bewusst Pausen. Das erhöht die Spannung und die Aufmerksamkeit der Zuhörer
> Sie können durch Ihre Fragen und Kommentare die Kinder auf etwas aufmerksam machen.
> Nutzen Sie die Gelegenheit schwierige Wörter oder Abschnitte zu erklären oder zu umschreiben und auf Zwischenfragen der Kinder einzugehen. Innere Bilder können durch Pausen besser entstehen.
- Bauen Sie Wiederholungen ein!
> Wiederholen Sie wichtige "Schlüsselwörter" und "Schlüsselsätze" und lassen Sie sie ein wenig nachwirken.
- Variieren Sie ihre Stimme! Erwecken Sie die Sprache zum Leben!
> Drücken Sie die Stimmungen der Figuren in der Geschichte aus (Markieren Sie deren Charaktere, ihre Rolle, ihre augenblickliche Situation).
> Variieren Sie Ihre Tonhöhe (von Flüstern bis Rufen) und Tempo (von ganz schnell bis sehr langsam).
> Achten Sie auf eine gut artikulierte Aussprache, um Dramatisches, Spannendes, Geheimnisvolles, Freudiges etc. genauer zu kennzeichnen.
> Markieren Sie die Figuren stimmlich (Akzent, Dialekt, tiefe und hohe Stimmen etc.), um die Charaktere voneinander zu unterscheiden.
- Lassen Sie Emotionen zu!
> Körpersprache, Mimik und Gestik gehören zum Vorlesen dazu.
> Visualisieren Sie das Gehörte, wie Angst, Ärger, Hinterlist und Freude. Aber auch nicht zu sehr.
- Nehmen Sie so oft wie möglich mit den Kindern Blickkontakt auf!
> Es lohnt sich gelegentlich das Buch zu schließen und in die Gesichter der Zuhörer zu sehen - Vorlesen ist auch immer Kommunikation.
> Achten Sie auch auf die "Signale" und "Zeichen" der Zuhörer. Wie reagieren sie? Wie aufmerksam sind sie? Haben sie Schwierigkeiten?
- Beziehen Sie die Kinder in die Geschichte ein!
> Sprechen Sie über die Figuren, deren Verhalten, die Orte ...
> Gehen Sie auch auf die Motive und Hintergründe ein.
- Erweitern Sie die Aussagen der Kinder oder stellen Sie Nachfragen!
zum Beispiel so:
Kind: "Schau da, der kleine Bär!"
Vorleser: "Schau Dir mal seine traurigen Knopfaugen an und sein zerzaustes Fell!"
oder bezogen auf den Text selbst:
Kind: "Ich glaube die Hexe ist böse."
Vorleser: "Warum ist die Hexe böse?"
- Wechseln Sie zwischen Vorlesen und Erzählen!
- Wenn Sie merken, dass die Kinder ungeduldig sind:
> Binden Sie die Kinder aktiv in das Vorlesen mit ein: Stellen Sie Fragen zu Bildern und Text, lassen Sie die Kinder die Geschichte zu Ende erzählen, motivieren Sie zum Mitmachen (Klatschen, Tiergeräusche).
> Kinder brauchen Bewegung! Beginnen Sie mit einem kleinen Bewegungselement, danach können die Kinder wieder besser zuhören.
- Nach dem Lesen: Der letzte Satz der Geschichte ist nicht der letzte Satz der Vorleseaktion!
> Sprechen Sie anschließend mit den Kindern über das Vorgelesene. Stellen Sie einen Bezug zum Alltag der Kinder her.
- Länger als ca. 20 Minuten reine Vorlesezeit sollten Sie nicht einplanen, damit noch Zeit und Konzentration für Gespräche über die Geschichte bleibt.
- Beenden Sie die Vorlesestunde mit Gesang, Bastelei, Gymnastik, Verkleiden etc.
Die Nachbereitung
- Merken bzw. notieren Sie sich ihre Variationen für das nächste Mal. Es kann gut sein, dass Sie die Geschichte wieder in der Variation vorlesen werden.
- Reflektieren Sie die Vorlesestunde. Was war gut? Was kann ich besser machen? Wo liegen meine Stärken und Schwächen?
